Hans-Jürgen Mottschall

Modellbau

XI. NS - WELTMEISTERSCHAFT 28_08-1_09_1999 in Halle (Saale)

Kurzfristig, wegen Ausfall des Schweizer Verbandes (Stadt Sion), musste die NAVIGA reagieren und konnte dem sich bewerbenden Deutschen Dachverband „nauticus“ den Zuschlag zu dieser WM-NS übertragen. Da der „nauticus“ sowieso das 40-jährige Jubiläum feierte, bot sich diese Veranstaltung geradezu an.

Als wir das erste Mal von Halle hörten, erinnerte sich doch der eine oder andere, der an der DM-1994 in Merseburg teilgenommen hatte, an die schlechte Organisation bzw. den Verlauf. Hier möchte ich jedoch im Vorwege sagen: Es hat hervorragend  in der Organisation geklappt, alle nötigen Informationen kamen rechtzeitig an.

Rechtzeitig am 25.08. fuhr ich in einer guten 5 Stundenfahrt nach Halle, bezog im Hotel „Eigen“ mein Zimmer und hatte nun viel Zeit, die Wettkampfanlagen zu inspizieren. Auf dem Gelände traf ich schon erste Teilnehmer und einige fleißige „Bienen“, die den Startanlagen den letzten Schliff gaben. Insgesamt drei Startstellen waren vorbereitet, die, und das sahen wir sofort, bei ungünstigen Winden problematisch werden konnten. Im Verlaufe des Wettbewerbs mussten die Teilnehmer diese Winde und dadurch für die kleinen Modelle extrem großen Wellen erleben. Leider gab es auf dieser WM einige Modelluntergänge, die und das sollte auch nicht verschwiegen werden, durch Schiffs- und modellbauliche Fehler verursacht wurden.



Die deutsche Mannschaft Kl. - F 2a -

Am Donnerstag den 26.08. erfolgte die Registrierung der Modelle. Da hier der gesamte Tag zur Verfügung stand, zog sich natürlich das ganze in die Länge. Ich denke auch, dass aufgrund vergangener WM’s endlich auch eine Senderüberprüfung vorgenommen wurde. Bei diesen Überprüfungen kamen auch tatsächlich Anlagen zum Vorschein, die erhebliche Streuungen oder ganz andere Quarze eingebaut hatten. Die eigentliche Registrierung ging innerhalb von Minuten zügig vonstatten. Bei der Registrierung stellte sich dann auch unser Mannschaftsleiter Herr Erich W. (Gruppengeschäftsführer WEST) vor.

Nach einer kurzen und knappen Eröffnungszeremonie, bei der ich allerdings den Eid der Schiedsrichter und der Teilnehmer vermisste, begann die Weltmeisterschaft sofort mit den Bauwertungen in der Kl. – F2a / F 4b - und der Fahrwettbewerb der Kl. –F 4a -.

Die Bauwertung in meiner Kl. – F2a – brachte keine allzu großen Überraschungen. D. H. belegte mit 99,33 vor mir mit 97,67 Baupkt. den ersten Platz. Grundsätzlich muss ich jedoch sagen: Aus der Sicht jedes einzelnen Betroffenen wird es immer wieder Bedenken oder Neid gegen vermeintlich zu hohe Baupkt. oder gar Benachteiligungen geben. Persönlich würde ich mir wünschen, dass nur Bauprüfer eingesetzt werden, die selbst schon einmal in diesen Klassen gebaut haben. Wie sonst sollte er ermessen können, wie schwer oder gar fast unmöglich es ist, das eine oder andere Bauteil zu fertigen. Nach der Bauprüfung konnte also am Sonnabend endlich der erste Lauf für uns beginnen.

Hatten wir in den ersten Tagen noch ruhiges Wetter, sprich glattes Wasser an den Startstellen gehabt, zeigte sich jetzt ein für unsere Modellschiffchen geradezu gewaltiger Wellengang. Leider bekam jetzt doch manches Modell erhebliche Schwierigkeiten auf dem Wasser. Meine "MÆRSK MASTER" kam mit ca. 1,5 l. Wasser im Schiff noch gerade zu Steg, wo dann kurz vor dem Eindocken durch Ausfall der Elektronik mein gesamtes Dockmanöver (10 Pkt.) missglückte. Ein einziges Schiff fuhr im ersten Durchgang volle 100 Pkt. Allein an diesem Tage hatten wir schon  drei Schiffsuntergänge! Da wir immer optimistisch sind hakten wir diesen Wettbewerbstag schnell ab! Alle übrigen Klassen hatten die gleichen Schwierigkeiten bei ihren Läufen. Für mich hieß es vor allen Dingen, mein Schiff trocken zu legen. Meine gesamte Elektronik musste auseinander genommen, mit dem Föhn getrocknet und wieder zusammengesetzt werden. Dadurch, dass ich die Elektronikplatinen mit einem Schutzlack überzogen habe, kann, wenn ich sofort mit dem Trocknen beginne, kein größerer Schaden auftreten.



Bernd H. mit dem Schlepper "GARANT" 1:50  bei rauer See auf Kursfahrt und Dockmanöver

Am Sonnabend gab es ein gutes und reichhaltiges Festbankett. Gab es in der Vergangenheit  oft zu wenig zu Essen, möchte ich hier darauf hinweisen, es war reichlich, wobei noch gesagt werden muss, es flossen sogar einige  Liter Freibier.

Das Besondere des Banketts ist, sich entspannter unterhalten zu können und vor allen Dingen neue Freundschaften zu gewinnen bzw. alte zu festigen. Persönlich denke ich nicht sosehr an das eigentliche Fahren einer Meisterschaft, sondern mehr an Erfahrungsaustausch bzw. kennen lernen anderer Menschen. Um 1.00 h räumte ich das Feld um am nächsten Tag wieder einen klaren Kopf zu haben.

Am Sonntag fuhren wir mit der Straßenbahn in die Stadt um uns auf der Ziegelwiese die dortigen Festlichkeiten anlässlich des traditionellen Laternenfestes in Halle sowie das Modellschaufahren anzusehen. Wir hatten einen herrlichen Sonntag mit recht viel Spaß, wobei wir auch nicht vergaßen mit der Bimmelbahn eine ca. zehnminütigen Fahrt zu genießen. 

Ein großes Unverständnis war allerdings, warum wir am Sonntag nicht an den Startstellen mit den Schiffsmodellen üben durften. Etliche Besucher waren extra von weit angereist um letztendlich vor leeren Wasserflächen zu stehen. Wieso darf denn nicht  nach Beendigung  der Wettkämpfe oder wie in diesem Fall, einem wettkampffreien Tag, das Schiff ausprobiert bzw. geübt werden. Der Besucher und die übrigen Teilnehmer hätten mit Sicherheit noch mehr Spaß am Hobby. Zählen doch gerade diese Gespräche für den Modellbauer zu den effektivsten und wertvollsten. Ich denke, diese antiquierten Regeln sollten sich mit gesundem Menschenverstand leicht von selbst erledigen. Vor allen Dingen wird auch kein Funktionär gezwungen mit Disqualifikationen zu drohen! Wie schnell Mitarbeiter, ob zu Recht oder Unrecht, disqualifiziert werden können hat ein Mitarbeiter an der –F2-Startstelle erlebt. Leider, wie er uns versicherte ohne ihn überhaupt angehört zu haben! Irgendwie  ist mir jedoch die Verfahrensweise bekannt. Uns, den Teilnehmern dieser Startstelle fiel allerdings auch auf, dass sehr häufig von dem gesperrten Herrn, Entscheidungen die vom Startstellenleiter getroffen wurden, durch Nichtbeherrschung der Regeln in Frage gestellt wurden.  Ein Erlebnis der besonderen Art hatte ich allerdings auch.   Als ich morgens, Als Starthelfer in dieser Klasse, bewaffnet mit Foto- und Filmkamera,  an der Startstelle innerhalb der Absperrung stand, kam der Herr D. (D) (Vertreter der NAVIGA) zu mir und bat mich den Bereich zu verlassen. Auch der Hinweis, ich bin hier Starthelfer half nicht! Da ich keine Diskussion mit diesem ach so kleingeistigen, überforderten Funktionär haben wollte, ging ich nur noch kopfschüttelnd weg. Jahrelang haben wir uns auf den Startstellen gegenseitig unterstützt oder auch oft nur Mut zugesprochen, neuerdings soll es eine Regel geben die dieses verbietet, Hut ab vor so viel Aktionismus! Im Laufe der Jahre habe ich so etwas noch nicht erlebt, solch ein Ansinnen könnte ja in den FSR-Klassen mal ausprobiert werden!   Vielleicht war es aber  auch nur Wichtigtuerei oder kleingeistiges Verhalten des Herrn D. der merkwürdigerweise weder bei den Chinesen noch bei sonstigen Mannschaften diese Regeln anbrachte! Auch hier wurde wieder ein Mosaiksteinchen für meine spätere Entscheidung, für diese deutsche Funktionärsclique nicht mehr zu starten, eingefügt! Das für mich jedoch peinlichste war, andere Teilnehmer die leider das Ganze mitbekamen, schüttelten über das Gebaren des Herrn D. nur den Kopf!!

Am Montag konnte nun endlich der zweite Lauf in unserer Kl. stattfinden. Endlich hatten wir  das Wasser, spiegelblank und keine  Strömung im Dock. Sofort wurden auch die 100-er Läufe gefahren, ich allerdings schaffte nur 94 Fahrpkt. Am Ende dieses zweiten Laufes zeigte sich noch immer keine klare Platzierung ab.



Bis zu vier sog. Starthelfer beim Einsetzen der chi. Modellfahrer  auf der Startstelle

Der dritte Lauf wurde vom Dienstag aufgrund der Wind- und Wellensituation an der –F2- Startstelle auf die Startstelle –F4- auf Mittwoch verlegt. Hatten die ersten Teilnehmer noch Glück, bekam ich während des Laufes wieder gewaltige Wellen. Durch die schlechten Erfahrungen des ersten Laufes hatte ich jedoch mein Modell entsprechend gesichert, so dass ich nicht einen Tropfen Wasser nahm. Leider fuhr ich auch hier nur wieder 94 Pkt. und rutschte somit auf den unglücklichen vierten Platz ab. Erfreulich war auf jeden Fall, D. H. wurde Weltmeister der Kl. – F 2a -. K. Plonus zweiter, H. Wagner dritter. Also, die ersten vier waren Deutsche, wann gab es das zuletzt? Unser B. H. kam auf den sechsten und H. -J. B. auf dem siebenten Platz. Immerhin starteten in der Kl. –F 2a – 18 Teilnehmer, - F 2b – 20 Teiln. und in der -F 2c – 17 Teiln. Meinen Mitstreitern in dieser Klasse kann ich nur zu ihren  Leistungen gratulieren in der Hoffnung, dass ich beim nächsten Treffen wieder besser fahren werde.

Während des Wettbewerbs setzten wir –F2- Fahrer uns einmal zusammen, um einmal zu erfahren, ob die schon geltenden und neu auf zu kommenden Regeln überhaupt von uns gewünscht wurden. Leider ist dieses Treffen von unseren verantwortlichen Funktionären offensichtlich mit großem Unverständnis und noch weniger Sachverstand aufgefasst worden. Das Treffen hatte uns das Ergebnis gebracht, die Mehrheit der F2-Mannschaft wollen nicht diese neuen Regeln und stellt die Frage warum werden Regeln gegen und nicht für den Modellbauer, wenn überhaupt  nötig, gemacht. Wenn hier nicht bald ein Umdenken bei unseren Fachleuten (TK-Mitglieder) beginnt, brauchen sie bald aus Mangel an Teilnehmern keine neuen Regeln. Unseren nauticus-Fachleuten möchte ich nur ins Buch schreiben; Der nauticus hat durch die erfolgreichen Teilnehmer der WM das hohe Ansehen und nicht durch Funktionäre gewonnen. Wir werden jedenfalls in den nächsten Wochen bestimmte Regeländerungen fordern!



Vorführung der Kl. - F 6 - und Abtransport der Bohrinsel 1:50

Da ich durch private Probleme recht früh abreisen wollte, meldete ich mich im Büro ab, verabschiedete mich noch schnell von einigen Teilnehmern/Mitstreitern und fuhr Richtung Heimat. Leider brauchte ich auch für die Rückfahrt wieder mehr als fünf Stunden.

Von meiner Seite ein herzliches DANKESCHÖN an alle, die an diesem Wettbewerb mitgewirkt haben!

H-Jürgen Mottschal