Hans-Jürgen Mottschall

Modellbau

Unser Besuch in Stavanger 22-28_04_2004


Die Idee, unsere Modellschiffe nach ihrer Fertigstellung bei den jeweiligen Reedereien vorzustellen, ist ja  nichts Neues. Als wir 1999 dem ersten Besuch in Stavanger machten und die nötigen Fotounterlagen zum Bau meines Modells auf dem Original fertigten, sprachen wir ja schon einmal dieses Thema an. Ende des letzten Jahres nahm die Reise schon konkretere Formen an. Anfang dieses Jahres legten wir dann, Peter, Jörg und ich den endgültigen Zeitplan fest.   

Jörg bot sich mit seinem Wagen (Volvo Kombi mit Dachkoffer) als Fahrer an. Peter  besorgte die Fährkarten und buchte die Hütte auf dem Øberg – Campingplatz. Peters gesetzlich verordnetes Glück, stellte unser Proviantpaket zusammen.

Rechtzeitig traf ich dann am 22.04.um 06.00 h  beim Peter ein und dachte schon, ich wäre der Letzte unserer Truppe. Doch weit gefehlt, hier bekam ich erst einmal zu hören, was willst du denn schon so früh hier, acht Uhr hätte ja allemal gelangt und außerdem ist Jörg auch noch nicht da. Macht nichts sagte ich mir, dann bist du wenigstens nicht der Letzte!

Kurz nach 07.00 h bekamen wir dann per Telefon von Jörgs Vater den Anruf, Jörg liegt mit hohem Fieber im Bett und muss leider die Reise absagen! Selbstverständlich machten wir uns doch einige Gedanken und Sorgen um Jörg. Es half ja nichts, mussten wir doch jetzt schnell umdisponieren, meinen Wagen entsprechend umrüsten. Jetzt, da wir nur zu zweit waren, d. h., auch nur zwei Modellkisten mitzunehmen hatten, reichte der Platz auch in meinem Wagen. Ich staunte mal wieder beim Beladen des Autos, was wir alles mitzunehmen hatten.

Gegen 09.00 h setzten wir uns jetzt in Bewegung, galt es doch gute 400 Km durch Dänemark zum Fähranleger Hirtshals zu bewältigen. Bekanntlich warten Fähren ja nicht auf Nachzügler. Auf keinen Fall sollte man auch nicht   vergessen, in Dänemark galt zum Zeitpunkt der Reise auf der Autobahn noch 110 Km Höchstgeschwindigkeit.

Die ruhige Fährfahrt diente uns auch ein wenig zur Erholung. Im Laufe des späten Nachmittags trafen wir in Kristiansand ein. Die jetzt anstehenden ca. 260 Km legten wir in den erlaubten Geschwindigkeiten zurück und trafen gegen 21.00 h an unserer Hütte am Øberg ein. Das Einräumen unseres Quartiers nahm nur wenige Minuten in Anspruch, sodass wir zum gemütlichen Teil des Abends übergehen konnten.


Kl. Hafen am  "ØLBERG"

 

Unsere Unterkunft Campingplatz  "ØLBERG"

 

 

Am nächsten Tag  begaben wir uns rechtzeitig auf den Weg zur Reederei Møkster. Da wir ja angemeldet waren, wurden wir sofort in ein vorbereitetes Zimmer geleitet in dem wir unsere Modelle aufstellten. Herr Atle H., der Chartering Manager der Reederei, begrüßte uns wie sehr gute Freunde. Sicherlich hängt es auch damit zusammen, dass ich während der Bauphase im Sommer wie zu Weihnachten, jeweils Bilder des augenblicklichen Bauzustands der „STRIL POWER“ an die Reederei schickte. Vergessen werde ich auf keinen Fall die Freude und die strahlenden Gesichter der Reedereimitarbeiter, allen voran Atle, als sie nicht nur meine „STRIL POWER“ sondern auch Peters „NORMAND NEPTUN“ sahen. Da sie ja insgesamt die Fachleute sind die unsere erbrachten Leistungen beurteilen können, nahmen wir natürlich auch das uns gegenüber ausgebrachte Lob gerne an.. So ganz nebenbei wurde uns der Sohn Alf und die Tochter  Anne Jorunn Møkster vorgestellt. Wobei Anne Jorunn mir viele ausführliche Fachfragen zum Bau des Modells stellte. Im Stillen zog ich meinen Hut vor so viel Wissen. Das besondere Interesse  ist jedoch schnell erklärt, Anne Jorunn ist die Taufpatin der „STRIL POWER“.

 

 

Während unserer Anwesenheit wurde im Gebäude der Reederei ein Lehrgang zur Schiffssicherheit in den Häfen abgehalten. Selbstverständlich nahm sich der Leiter des Lehrgangs die Zeit, den gesamten Lehrgang in unseren Raum zu führen. Auch hier wieder von den erfahrenen Kapitänen und Ingenieuren  viel Anerkennung und Lob.

 

 

Nachdem sich der erste Ansturm gelegt hatte, überreichte ich Atle ein Fotoalbum zur Entstehung der „STRIL POWER“ mit dem dazugehörigen Baubericht. Selbstverständlich folgte noch ein zweites Album für die Bordbibliothek der „STRIL POWER“. Ein Geschenk, das mit Sicherheit nicht von uns erwartet wurde. Atle ließ sich jetzt nicht lumpen und überreichte uns im Namen der Reederei die obligatorischen Bordmützen, T-Shirt, eine Tischflagge und mir ein Buch über die Entstehungsgeschichte der Møkster –Reederei. Die  gemütliche  Zeit bei einem hervorragenden Brunch verrann wie im Fluge. Leider mussten wir jetzt mit großem Bedauern aus terminlichen Gründen  unseren Besuch bei Møkster beenden.

 

 

Unser nächster Besuch war ja auch schon in der Reederei „SOLSTAD“  in Skudeneshavn auf der Insel Karmoy angemeldet. Pünktlich am Fähranleger  holte uns ein Kombifahrzeug der Reederei ab. Auch in dieser Reederei wurden wir wieder auf das Herzlichste von  H-Knut S., Charterring Manager der Reederei empfangen. Nachdem unsere Schiffe aufgebaut waren, versammelten sich jetzt so nach und nach aus allen Abteilungen die Mitarbeiten an den Modellen. Da auch hier wieder absolute Fachleute ihr Brot verdienen, mussten  etliche  Fachfragen beantwortet werden. Im Grunde lief es hier wieder genau so wie vorher bei Møkster, nur hier war eben das Solstad-Modell von Peter die „NORMAND NEPTUN“ der Mittelpunkt des Geschehens.

 

Unser Besuch bei der Reederei Solstad

Indienststellung der "STRIL POWER"

Im Laufe der Vorführungen ließ ich natürlich anklingen, dass ich als nächstes ein Solstad-Modell die „NORMAND PROGRESS“ bauen werde. Rein zufällig hatte ich natürlich schon einige Bilder des augenblicklichen Bauzustandes des Modells dabei. Auf die Frage seitens H-Knuts, ob ich denn entsprechende Zeichnungen des Schiffes hätte, konnte ich jetzt auf die bisher wenige Unterstützung verweisen. Sofort sicherte mir H-Knut seine volle Unterstützung zu und gab mir sogar das Versprechen, dass ich nun endlich die noch erforderlichen Zeichnungen bekommen werde! Ich bin zwar immer Optimist, aber aufgrund einiger Negativerfahrungen der jüngsten Vergangenheit, glaube ich erst dann an die Zeichnungen, wenn ich sie vor mir liegen habe.

Auch hier vergingen die Stunden wie im Fluge. Bei einem kühlen Getränk zeigte man uns jetzt einen Werbefilm der Reederei und schenkte uns zum Abschied die Kapitänsjacken sowie die dazugehörenden Mützen. Natürlich konnten wir uns jetzt auch noch einmal mit den uns noch fehlenden neueren Faltblättern der Reedereischiffe versorgen.

Ein Taxi brachte uns mit unseren Modellkisten wieder zum Fähranleger zurück. Aus meiner Sicht hätten wir fast keine Fähre benötigt, schwebten wir doch aufgrund der vielen Zusagen fast auf Wolke sieben!

Während der Überfahrt nach Stavanger telefonierte Peter mit Terje  Moen, einem Mitgestalter einer riesigen Schiffsbilderdatei, die man im Internet unter TERMALOMA.com einsehen kann an. Wir trafen uns auch sofort an der Kai, zeigten erst einmal unsere Modelle und verabredeten uns zum nächsten Tag.

Selbstverständlich feierten wir diesen herrlichen Tag entsprechend!

Rechtzeitig machten wir uns dann am Sonnabend zu unserer Verabredung auf der Basis Dusevik auf. Hier lernten wir noch zwei Kollegen der Termaloma-Gruppe kennen. Beide sind auf dem Offshore-Schiff  „SEAWAY FALCON“ als Offiziere beschäftigt. Unser Ziel war jetzt das in China gebaute Offshore-Schiff „BOA DEEP C“. Ein Schiff mit der sagenhaften Länge 127 mtr. Dieser Neubau stellte sich hier auf seiner Jungfernfahrt vor. Leider kamen wir, da auch hier inzwischen gewisse Sicherheitszonen eingerichtet sind, nicht direkt an das Schiff heran. Doch auch so kamen wir zu ganz passablen Fotoaufnahmen. Persönlich kam ich gar nicht mehr aus dem Staunen, dachte ich doch immer, mein nächstes Modell, die „NORMAND PROGRESS“ wäre ein Gigant, wurde ich hier eines Besseren belehrt

BOA DEEP C

Ein norwegisches Modell auf norw. Gewässer 



 In Stavanger trennte sich jetzt erst einmal unsere Gruppe bis zum nächsten Tag.

Wir, der Peter und ich, machten uns auf den Weg zur  „NORMAND PIONEER“ dem Schwesterschiff der „NORMAND PROGRESS“ um noch die mir fehlenden Ecken des Schiffes zu fotografieren. Auch hier war nur Dank der Reedereiempfehlung der Zugang an Bord möglich! Wir bekamen einen Bordausweis und eine Begleitperson während des Rundgangs.

Von hier ging es jetzt zur „EDDA FJORD“ ein PSV-Neubau, auch wieder ein Schiff zum Verlieben. Da wir nicht an Bord kamen, fotografierten wir eben von der Pier. Im Laufe der Tage sahen wir uns  auch die Offshore-Schiffe  „STRILBORG“, „OLYMPIC POSEIDON“ und die „STRIL NEPTUN“ an.

Unser nächstes Schiff war jetzt die „BALDER VIKING“ wieder ein Schiff von besonderer Schönheit. Sehr auffällig der gelb/schwarze Anstrich des Rumpfes sowie die gelben Aufbauten. Als wir vor dem Schiff ein Mannschaftsmitglied fragten ob Peters Bekannter an Bord wäre, bekamen wir zu hören, es hat ein Mannschaftswechsel stattgefunden und oben steht der jetzige Kapitän. Nachdem wir uns vorstellten, zeigte uns der Kapitän nicht ohne Stolz persönlich  sein recht imposantes Schiff. Das Schiff vom Typ „KMAR 808 ICE“, gehört zu einer Serie von drei Schiffen und wurde auf der Kværner Leirvik AS, Stord, 2000 gebaut. Das Schiff mit der stattliche Länge von 83,70 m, Breite von 18,00 m mit einer Maschinenleistung von 18 300 BHP erreicht eine Geschwindigkeit von 16 kn. Eine 400 t Winde sowie ein Pfahlzug von 200 t, sagen doch einiges über diesen Schiffstyp aus. Stolz berichtete uns der Kapitän, wenn das Schiff im Winter im Eiseinsatz der Ostsee arbeitet, fährt dieser Versorger bei einer Eisdicke von 60 cm mit einer kontinuierlichen Geschwindigkeit von 12 Meilen.



 " BALDER VIKING"

Nachdem uns der Kapitän zum Essen eingeladen hatte, wurde der Rundgang fortgesetzt. Nachdem wir jetzt so manchen Filmstreifen verbrauchten  sowie einige Fotos geschossen hatten, verabschiedeten wir uns vom Kapitän des Schiffes. Hier hatten wir eine Schiffsführung der besonderen Art erleben dürfen!

Dass wir auf der Rückfahrt zur Hütte noch schnell einige andere Offshore-Schiffe von der Pier besichtigten, ist, ja fast selbstverständlich.

Der Sonntag versprach vom Wetter her nicht all zu viel. Zum Glück hatten wir jetzt eine Einladung  der beiden Bordoffiziere auf der „SEAWAY FALCON“, das wir selbstverständlich unsere Modelle mitbringen mussten, war natürlich klar.

Da wir nicht die schmale Gangway  des Schiffes erklimmen wollten, nutzten wir den Überstand eines Pierschuppens. So nach und nach stellten sich doch einige Sehleute des Schiffes. Auch hier wieder sehr viel Lob und Anerkennung.

Eine besondere Augenweide war für mich der auf  der Pier abgelegte  Originalpflug der „FAR SOVEREIGN“. Die bisher mir bekannten Bilder dieses Pfluges hatten mir nie die gewaltigen Dimensionen vermittelt. Allein diese Sonderausrüstung des nächsten, von Peter geplanten Modells, erregten bei mir doch schon ein kleines bisschen Mitleid gegenüber Peter. Für diesen Pflug muss, wird er in Peters Bauqualität erbaut, mehr Zeit aufgewendet werden, als für so manches mir bekannte sog. Spitzenmodell mancher Wettbewerbe in Deutschland!

Da das Wetter immer ungemütlicher wurde, verstauten wir unsere Modelle und begaben uns an Bord der “SEAWAY FALCON“. Hier zeigte uns Jan seinen Arbeitsbereich auf der Brücke. Da inzwischen auch schon wieder zum Mittagstisch gerufen wurde, nutzten wir auch diese Möglichkeit und konnten auch diesem Koch ein hohes Lob aussprechen.

Danach führte Jan uns im Laufe der nächsten Stunden über das Schiff und zeigte uns die verschiedenen Fertigungsanlagen, Maschinenraum und Werkstätten des Schiffes. In voller Besatzungsstärke sind hier mehr als 140 Personen tätig. Auch hier vergingen die Stunden wie im Pfluge und allmählich rief auch schon wieder unsere Hütte. Trotz des ungemütlichen Wetters wieder ein gelungener Tag!

Am Montag machten wir uns  auf den Weg um mit unseren Schiffen endlich auf norwegischen Gewässern  zu SCHIPPERN. Nach ca. 30 Km außerhalb Stavangers fanden wir endlich das für uns ideale Gewässer. Innerhalb weniger Minuten schwammen unsere Modelle auf dem Wasser. Peter meinte, jetzt ist auch sein letzter Schritt am Modell erledigt. Seine Marotte ist, grundsätzlich müssen seine Modelle auf den heimischen, sprich nordischen Gewässern einmal „SCHIPPER

Nach vielen Film- und Fotoaufnahmen stellte sich auf der „NORMAND NEPTUN“ eine gewisse Schräglage ein, die sich dann auch tatsächlich als Wassereinbruch entpuppte. Der Grund war natürlich schnell erkannt, hatte Peter doch sein hinteres Deck  (Hauptdeck) nicht entsprechend vor der Fahrt abgedichtet. Meine sofortige Überprüfung der „STRIL POWER“ beruhigte mich  doch ungemein, kein Wassertropfen im Schiff. Da im Laufe der nächsten Zeit   sich jetzt doch größere Wellen aufbauten, beendeten wir dann endgültig unser „SCHIPPERN“ und brachen in Richtung Stavanger auf. An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf das erhabene und besondere Gefühl beim „SCHIPPERN“ auf dem See, welches der Peter und ich hatten, hinweisen. Der eine oder andere Gedanke, jedenfalls bei mir, war doch auch ein Rückblick auf unsere Baujahre am Modell.

Natürlich schauten wir uns jetzt auf der Stavangerbasis noch einige Offshore-Schiffe an und erreichten wieder am späten Abend unsere Hütte. Da es unser letzter Abend in Stavanger war, genossen wir diesen Abend ganz besonders.

Am Dienstag hieß es dann Abschied nehmen. Nach einer kleinen „Hafenrundfahrt“ traten wir jetzt die Rückfahrt Richtung Kristiansand an. Sind wir auf der Hinfahrt nach Stavanger noch auf dem direkten Weg gefahren, wählten wir nun den kleinen Umweg über den „FLEKKEFJORD“. Ein unbedingtes Muss, sollte sich jemals ein Urlauber in diese Gegend verirren. Eine sehr karge, aber unwahrscheinlich schöne Landschaft mit sehr enger Straßenführung, wobei natürlich einige 100 Höhenmeter überwunden, bzw. runtergefahren werden mussten. Ca. in der Mitte der Strecke machten wir Rast genossen den herrlichen Ausblick auf den Jøssingfjord. Dieser Fjord ist während des WK II. durch das sog. Altmark-Drama am 16.Febr. 1940 dadurch berühmt geworden, als das der britische  Zerstörer „COSSACK“ in dem zum damaligem Zeitpunkt noch neutralem norwegischen Gewässer unter Bruch der norwegischen Souveränität, die britischen Gefangenen auf der „ALTMARK“ befreiten.

Dieser für uns kleine Umweg hat sich gelohnt, haben wir doch hier wieder einmal sehr viel Norwegen inhaliert!

Rechzeitig trafen wir nun an der Fähre ein, die sich aber leider mal wieder über eine Stunde wegen Wartungsarbeiten an der Maschine verspätete. Das war insofern nicht so prickelnd, hatten wir doch vor, von Hirtshals sofort die Heimfahrt anzutreten.

Um 01.15 h fuhren wir jetzt in Richtung Peters Heimat, mussten jedoch wegen eines größeren Unfalls auf der Autobahn  diese verlassen. Dank Peters Orts- und einiger dänischen Sprachkenntnisse, fanden wir jedoch bald wieder unseren Weg und trafen kurz nach 04,00 h im Haus ein. Von dort fuhr ich jetzt die restlichen 200 Km Richtung Hamburg in einem Rutsch durch und traf um kurz nach 06,00 h bei mir zu hause ein. Jetzt noch schnell den Wagen entladen und gegen 07,00 h im Bett zu liegen, war doch schon ein schönes Gefühl.

Als Fazit dieser Reise kann ich nur sagen, es hat sich riesig gelohnt, mit einem Partner mit dem ich jeder Zeit solch eine Reise wiederholen würde!