Hans-Jürgen Mottschall

Modellbau

Modellbau 1:100

 

Name des Modells

“T. S. SYDNEY EXPRESS“

Reederei 

Hapag/Lloyd  Hamburg

Typ

Containerschiff der 2. Generation Staukapazität 1 508 20’ TEU

Frequenz Mhz

82, 85, 14,

Beschreibung und Besonderheiten des Modells:

Länge über alles

2258,3 mm

Breite über Anbauten

305 mm

Höhe

520 mm

Tiefgang

115,5 mm

Baumaterialien

Rumpf-Polyester, Aufbauten-Messingblech  0,3 / 0,4 mm

Bauunterlagen

Werftunterlagen und  300 Originalfotos

Bauzeit

ca. 5 000 Hobbystunden

Gewicht des Modells

34 500 Gramm

Gewicht des Originals

TDW 33 190 , BRT 27 000

Kurzbeschreibung:

Das Originalschiff  „SYDNEY EXPRESS“ wurde von der Hamburger Werft Blohm & Voss 1970  an damals noch Hapag-Reederei abgeliefert. Mitte der 70-ziger Jahre konnte durch entsprechende Umbauarbeiten die Containerstellkapazität auf über 1 700 20’ TEU erhöht werden. 100 Kühlcontainer werden unter Deck mit den entsprechenden Anschlüssen gefahren.

In fast 6-jähriger Bauzeit erstellte ich das Modell nach den bewährten Prinzip: Rumpf aus Polyester und Aufbauten aus verschieden starken Messingblechen. Eine einzige Lukensektion (6 Deckel), besteht aus über 2 000 Einzelteile. Eine Ankerwinde/Mooringwinde besteht aus 280 Einzelteile. 2 fest im Rumpf  installierte 10-Litertanks,  sorgten für den nötigen Tiefgang und verschonten mich vom Transport mit unnötigen Ballast.  Innerhalb von 2 Minuten war das Ballastwasser im bzw. aus den Tanks des Modells.   

Baubericht

"T. S. SYDNEY EXPRESS"

Die Idee, ein Modell-Containerschiff zu bauen, war bei mir schon in den 60-er Jahren vorhanden, zumal ich auch immer häufiger diesen Schiffstyp im Hamburger Hafen sah. Die Massenmedien taten ihr Übriges dazu. Jedoch entsprechende Baupläne von den Werften bzw. Reedereien zu erhalten, um diese Idee zu verwirklichen, war die 2. Seite dieser Idee. Meine diesbezüglichen Anfragen wurden dann natürlich mit den entsprechenden Absagen erst einmal abgeschmettert, wie: Dieser Schiffstyp ist noch zu neu und die Unterlagen geheim. Aufgrund dieser Absagen baute ich dann erst einmal die verschiedenen Modellschiffe wie FRIESENSTEIN des Norddeutschen Lloyd, das Passagierschiff HAMBURG der Atlantik-Linie und fing dann schon wieder mit dem Bau der     S. A. VAN DER STEL der Safe-Marine-Reederei an. Jetzt, 1972 bekam ich die ersten Unterlagen über das Containerschiff T. S. SYDNEY EXPRESS, einem Containerschiff der 2. Generation. Als dieses Schiff zur routinemäßigen Werftüberholung im Trockendock lag, konnte ich auch die ersten Originalfotos machen. Insgesamt fotografierte ich im Laufe der Jahre ca. 400 Details  von diesem Schiff. Bis zu diesem Zeitpunkt machte man jetzt schon die Unterschiede in den verschiedenen Staukapazitäten der Containerschiffe. Die unterschiedlichsten Typen dieser Spezialschiffe verfügen in der 1. Containerschiffgeneration über ca. 800 Containerstaukapazität, während die 2. Generation schon weit über 1 000 bis zu knapp 2 000  Containern des 20' Typs transportieren können. Inzwischen sind ja Containerschiffe der 3. Generation mit weit über 3 000 Containern im Verkehr. Auch hier sind ähnlich wie bei den Großtankern, nach oben wohl augenblicklich keine Grenzen erkennbar.

Ende 1977 wurde meine S.A. VAN DER STEL fertig. Inzwischen habe ich ja auch immer mehr Bauunterlagen  und Fotomaterial zur SYDNEY EXPRESS erhalten und konnte dann endlich mit dem Bau beginnen. Jedoch im Vorwege möchte ich hier sagen, ich wusste wieder einmal nicht, auf was ich mich überhaupt bei diesem Schiff eingelassen habe. Wer meint, ein Frachter mit dem vielen Ladegeschirr sei das Optimum im Modellbau, sollte sich ruhig einmal die Zeit nehmen und die gesamten Details des Schiffes ansehen. Der Aufwand ist auf einem Containerschiff dieser Größe sogar noch wesentlich höher als der z.B. der S. A. VAN DER STEL. Da ich ich ja beide Modell baute, darf ich mir im Gegensatz zu den Fachleuten, diese Feststellung erlauben. Dass die Schwerpunkte auf diesem Schiff anders liegen, ist klar.

Das Original:

Das Schiff wurde von der Hamburger Werft Blohm & Voss 1970 an der Reederei HAPAG übergeben. Es handelt sich um ein Containerschiff der 2. Generation mit einer Containerkapazität von    1508 20' Containern, von denen 100 Stück mit einem Kühlanschluß versehen werden können. Mitte der 70 ziger Jahre wurde die Containeranzahl noch einmal durch die dazu nötigen Umbauarbeiten an Deck auf über 1 700 gesteigert. Allein an Deck können 646 Container gestaut werden. Das Fahrgebiet ist Australien und inzwischen fährt dieses Schiff in einer Container-Gemeinschaft mehrerer Reedereien. Die übrigen Daten des Schiffes lauten: Länge ü.A. 225,83 m, Länge zwischen den Loten 210 m, Breite auf Spanten 30,5 m, Tiefgang 11,55 m. Die Seitenhöhe bis zum ersten Deck beträgt 16,4 m. Tragfähigkeit ca. 33 190 TDW,  Vermessung ca. 27 000 BRT. Die Maschinenleistung beträgt 32 450 WPS und treibt dieses Schiff mit einer Reisegeschwindigkeit von 22 Knoten zu den verschiedenen Häfen. Die 39-köpfige Mannschaft ist in Einzelkammern untergebracht wobei auch der übrige Komfort für die Besatzung recht groß gehalten wird. Selbstverständlich hat ein Schiff dieser Größe auch ein Schwimmingpool an Bord. Zur besseren Stabilisierung des Schiffes wurden noch Flossen-Stabilisatoren eingebaut.

Das Modell:

Die SYDNEY EXPRESS sollte wieder wie meine bisherigen Modelle im Maßstab 1:100 entstehen. Also das hieß, von vornherein Gewicht sparen. Um die nachher auftretenden Transportprobleme bei der Größe dieses Modell, besser in den Griff zu bekommen,  so leicht wie irgend möglich  bauen. Wer möchte schon immer einen zweiten Mann anfordern, um sein Modell nachher zu Wasser zu bringen. Polyester  bot  sich  auch hier geradezu an, hatte ich doch inzwischen bei dessen  Verarbeitung einige Erfahrungen gesammelt. Dazu  musste jetzt aber erst einmal ein Rumpfkern (Positiv) gebaut werden und der entstand so: Sämtliche Hauptquerspanten und einige Zwischenspanten mussten aus Weißblech ausgeschnitten und auf einem 250 cm langen und 40 cm breiten Helgen aufgestellt, mit den entsprechenden Längsstringern verlötet und ausgerichtet werden. Von außen wurden jetzt 0,2 mm dünne Alu-Platten befestigt. Dieses riesige Gerippe konnte nun mit einem 2-Komponenten-Hartschaum ( 5 Kg ) ausgefüllt werden. Nach einer 3-tägigen Aushärtung entfernte ich die Alu-Platten und raspelte grob den überstehenden Hartschaum bis zu den sichtbar werdenden Querspanten runter. Den Rest des Hartschaums schliff ich mit 80-er und später mit 150- er Schleifpapier herunter. Der jetzt entstandenen Kern wurde dann mit Polyesterharz überstrichen. Das Überstreichen des Schaums verschaffte mir eine härtere Bearbeitungsfläche. Nach einer angemessenen Aushärtezeit des Polyesters konnten die Spachtelarbeiten beginnen. Nach insgesamt  7  Spachtelgängen entsprach das Positiv meinen Ansprüchen. Gerade bei dieser Größe des Modells musste schon eine entsprechende Fläche geschaffen werden. Vor dem 7. Spachtelgang lackierte ich den Kern mit der Spritzpistole in Hochglanz schwarz. Hier konnte dann auch tatsächlich noch die eine oder andere Beule oder Unebenheit abgestellt werden. Von diesem Positivkern wurde jetzt ein Abdruck genommen, die Form ( Negativ ) für den Rumpf. Die Formschale trennte ich nicht wie üblich in Längsrichtung des Modells, sondern in der Mitte quer zum Schiff. Die Art der Trennung gestattete mir eine bessere Lagerung dieser wertvollen Negativform. Wer hat schon so viel Platz, um eine Form dieser Größe auf Dauer zu lagern. Auch ein Wegwerfen der Form kam nicht infrage, was sich später auch noch bezahlt machen sollte. Die Erstellung dieser Form bis zum Modellrumpfabzug ( Positiv ), hatte ca. 60 Stunden in Anspruch genommen. Nachdem die Negativform erst mit Trennwachs und danach mit Trennlack ausgestrichen wurde, konnte mit der Polyesterarbeit begonnen werden. Die Polyesterarbeit wird von den Modellbauern ziemlich verschieden durchgeführt. Ich verzichtete auf die Polyesterfeinschicht und habe sofort mit dem eigentlichen Polyesterharz angefangen, d. h. mit einem Ringpinsel von innen die Form bestrichen und dann die Polyestermatte (Standartmatte 450 gr., Reißlast ca. 100 Kg) eingelegt. Die Matte tupfte ich jetzt mit dem Ringpinsel gegen die Form und rollte dann mit einem Spezial-Polyester-Roller das ganze schön blasenfrei aus. Zu diesen Arbeiten sollte man auf jeden Fall nur gut belüftete Räume und vor allen Dingen die besten Lichtmöglichkeiten nutzen ! Die feinen Bläschen in der Polyestermatte kann man nur bei ausreichendem Licht erkennen, je mehr diese ausgerollt werden, um so weniger Spachtelarbeit fällt im Nachhinein an. 7 Tage später konnte ich den eigentlichen Rumpf (Positiv) aus der Form nehmen. Der Trennlack und Trennwachs wurden mit einer scharfen Bürste und normalem Leitungswasser abgewaschen. Nur ein 100%iges Entfernen dieses Wachses ist die spätere Grundlage zur Haftung des Farbaufstriches. Gerade wenn mit Abklebbändern gearbeitet wird, ist es nachher ärgerlich, wenn beim Entfernen der Klebebänder die Farbe am Band hängen bleibt. Grundsätzlich schleife ich vor dem ersten Anstrich den Polyesterrumpf mit 220-er Schleifpapier über.



Mein Sohn Dirk knappe 7 Jahre alt hinter der "SYDNEY EXPRESS"  226 cm Länge 


Der lange Anfang bis zur Fertigstellung

Das Deck war jetzt ja schon in Arbeit genommen. Da ich mit Alu-Blechen im Hauptdeckbereich sehr gute Erfahrungen gemacht hatte, verwendete ich es auch hier wieder in 2 mm Stärke. Natürlich mussten vor dem Einbau erst einmal die gesamten Aufreißarbeiten und wenn nötig die Ausschnitte getätigt werden. Nachdem jetzt die Luken- und Aufbausülls eingeklebt waren, konnte das Deck eingesetzt und mit UHU-Plus verklebt werden. Diese Arbeitsweise bevorzuge ich seit Jahren, konnten doch nun nach dem Lackieren die Luken und Aufbauteile einfach über die Sülls aufgesteckt und damit fixiert werden. Die Sülls haben gleichzeitig die Aufgabe, dem Regen oder Spritzwasser an Deck keinen Zugang zum Schiffsinneren zu gestatten. Lackierarbeiten werden hier besonders erleichtert, man denke nur einmal an die gesparte Abklebarbeiten. Der Arbeitsvorgang des Deckeinklebens ist zwar hier sehr einfach beschrieben, war jedoch auch im Nachhinein nicht so einfach musste doch immer wieder die Deckshöhe nach Werftplan genau bestimmt werden. Nach diesem Arbeitsgang wurden die Schanzkleider in die erforderliche Höhe gebracht Um für die Lackierarbeit eine bessere Fläche zu bekommen,  schliff ich die Innenseiten der Schanzkleider bis   auf eine ganz geringe Wandstärke von 0,2 mm ab und klebte jetzt von innen 0,2 mm Messingbleche ein. Durch diesen Arbeitsgang erreichte ich  verschiedene  Arbeitserleichterungen. Kleinere Lötarbeiten für: Stützen, Augen, Klampen, Umleckrollen, Stützbleche usw. an der Schanz, mussten nicht mühsam fixiert werden, sondern konnten sofort angebracht werden. Die nachfolgende Lackierung brachte auch eine wesentlich bessere Fläche. Die Fertigung der 64 Schanzkleidstützen für das Hauptdeck, 86 Stützen für die Back und noch einmal die restlichen 104 Stützen für das Poopdeck erforderten einen riesigen Arbeitsaufwand. Speziell die Backstützen durch ihre verschiedenen Höhen ließen die Arbeit einfach nur schleppend vorangehen. Die Stützen wurden mit dem unteren Ende in die Alu-Decks eingeklebt. Alle folgenden Teile stellte ich aus Messing mit verschieden Stärken 0,2 -0,5 mm her. Messing zeigte sich für mich als das ideale Material, zumal ich im Laufe der Zeit ja auch meine Erfahrungen gesammelt hatte.

Die nächsten Arbeitsgänge waren jetzt der fünfflügelige Schiffspropeller, die Ruderanlage und Schlingerleisten sowie die Flossenstabilisierungsanlage des Rumpfes. Um die Schlingerleisten einzubauen mussten in den Rumpf die Schlitze gesägt werden. Die Schlingerleisten wurden in die Schlitze gesteckt und von innen mit einer Polyestermatte überklebt. Die innenliegenden Flossenstabilisierungskästen wurden in die Rumpfausschnitte gebracht und wieder mit UHU-Plus eingeklebt. Für die Schiffsschraube benötigte ich einen Arbeitsaufwand von 24 Stunden. Nachdem das Stevenrohr mit der Schiffswelle im Rumpf ausgerichtet und eingesetzt war, konnte auch der 6 Volt- Scheibenwischermotor ohne Untersetzung eingebaut werden. Ein Rat; diese Motoren, die ich seit Jahren einsetze, bekommt man für ca. 5,- DM auf den Autofriedhöfen. Das diese Motoren entsprechend entstört werden müssen ist ja wohl klar.

Der Fachmann fragt sich nun, wie bekommt man ein Schiff dieser Größe auf den erforderlichen Tiefgang. Um nicht immer die Ballastmenge von 10 Kg mitzuschleppen, habe ich einen ca. 10 l. Wassertank in den Schiffsrumpf eingebaut. Der Tank hat im oberen Bereich Entlüftungsrohre und im Schiffsboden die erforderlichen Wassereintrittsöffnungen. Beim Zuwasserbringen des Modells füllt sich jetzt automatisch der Tank und beim Herausnehmen läuft es wieder aus dem Tank. Durch diese, im ersten Augenblick gering erscheinende Menge von 10 l Tankvolumen, sollte der Fachmann nicht vergessen, dass gleichzeitig ein Auftriebsverlust entsteht.

Weitere Arbeitsgänge waren jetzt die Königsrollen, Schwanenhälse und Lüfter an den Schanzkleidern. Die Bedienungselemente der Verhol- und Ankerwinden (Kontroller) durften genau so wenig fehlen wie das Lager für den Reserveanker und der Wellenschutz auf der Back. Die 55 Relingstützen mit 2 Durchzügen und die Niedergänge zum Hauptdeck waren jetzt erst einmal der Abschluss der Arbeiten auf dem Backdeck.

Auf dem Poopdeck folgten dann die Gangwaytaschen mit den beiden Staatstreppen. Diese beiden Staatstreppen mussten jetzt mit den Hebevorrichtungen (Galgen), Halteaugen, Schäkeln, Stufen- und Drehelementen versehen werden. Dann folgten die Niedergänge vom Poopdeck zum Hauptdeck sowie die Müllrutsche am Heck.

Nach einigen Spachtelarbeiten am Rumpf konnten jetzt die eigentlichen Lackierarbeiten vorgenommen werden. Sämtliche Metallteile reinigte ich noch einmal mit Nitroverdünnung und spritzte sie dann mit einem Primer (Reaktionshaftgrund). Mit diesem Primer habe ich bisher die besten Erfahrungen gesammelt. Das Unterwasserschiff benötigte 3 Spritzgänge (Originalfarbe Butop rot) bis es meinen Erwartungen entsprach. Die bunten Farben hole ich mir seit Jahren immer in den entsprechenden Mengen von Bord. Über der Wasserlinie folgte dann der schwarze Farbgang. Der Backspiegel sowie die Back- und Poopschanz innen bekamen einen weißen Anstrich. Die Schanzkleider auf dem Hauptdeck sowie die Ausrüstung wurden in grau (RAL 7001) lackiert. Natürlich mussten immer wieder Pausen zwischen den Lackiergängen zum Aushärten der Farben eingelegt werden. Die Rumpfdecks erhielten einen anthrazitfarbenen Anstrich. Die Beschriftung - Schiffsname und Heimathafen - konnte ich mir aufgrund seiner 20 o  Neigung   nur aus Lainingmessing herstellen. Die ausgefeilten und lackierten Buchstaben befestigte ich mit Sekundenkleber am Rumpf. Die Tiefgangsmarken (Plimsollmarke u. Ahminge) schrieb ich direkt mit einer 1,2 mm  Schablone und einer Trichterfeder auf den Rumpf. Dieses Schreiben der kleinen Zahlen verlangte doch eine hohe Konzentration, zumal das Schiff ja vorn und achtern mit den entsprechenden Rundungen versehen ist. Zwar ist die Beschriftung mühsam, aber dafür auch sehr genau. Für diesen Arbeitsabschnitt  mussten immerhin wieder mehr als 1 200 sog. Hobbystunden aufgebracht werden und ein Ende war immer noch nicht abzusehen.

Die Ladeluken:

Der jetzt folgende Arbeitsgang gestaltete sich für mich als wahrer Leidensweg. Zu Anfang sagte ich ja schon, dass der Arbeitsumfang bei diesem Containerschiff wesentlich größer ist als bei einem Stückgutfrachter oder Passagierschiff. Um das aber festzustellen, muss man sich entweder das Modellschiff oder aber die Fotos genauer ansehen. Das, was jetzt an Einzelteilen auf mich zukam, bezeichne ich im Nachhinein als Wahnsinn.




Container verlascht

Sämtliche Lukenteile stellte ich aus 0,4 mm Messingblech her. 30 Lukendeckel mussten hergestellt werden. Für einen einziger Deckel mussten 77 Einzelteile zusammengefügt werden wie: Deckel-platte und Seiten, Verstärkungsplatten für Containeraufnahmen, Laschbleche für Containerbefestigung ( natürlich im Scharnier beweglich ), sowie die Lukendeckelbefestigungen. Nach der Fertigstellung wurden sie lackiert ( anthraziet ) und mit entsprechenden Deckelnummern sowie den  Containerstellplatznummern beschriftet. Diese Beschriftung erfolgte wieder mit einer 2,2 mm Schablone und Trichterfeder.

Die Lukensülle folgten jetzt als nächstes. Hier mussten jetzt einige hundert Knotenbleche und Versteifungen an die Lukenkumming gelötet werden. Die Lukendeckelführungen durften genau so wenig fehlen wie die Spannschraubenkästen ( Verzurrungen der Container ), Leitern, Lüftergehäuse mit Klappen,  Laschaugen und  sonstiger Kleinkram. Eine Lukensektion mit 6 Lukendeckeln besteht aus insgesamt mehr als 2 000 Einzelteilen. Die Kumming bekam einen hellgrauen (RAL 7001) Anstrich. Die Lukendeckelführungen und Laschaugen bekamen einen roten tagesleuchtfarbenen Anstrich. Auf dem Hauptdeck, zwischen den Lukensektionen, mussten noch 5 Betriebsbrücken quer zum Schiff gebaut werden. Diese Brücken haben gerade bei voller Deckslast verschieden Aufgaben zu erfüllen. Auch hier mussten einige hundert Kleinteile zusammengefügt werden. Auf einen aus Messing-T-Winkel gefertigten Rahmen wurden die Decksplanken in 0,5 mm Abstand aufgelötet. Dann folgten für jede Brücke ca. 60 Relingstützen mit einem Durchzug. Für meine Durchzüge verwende ich 0,2 mm Stahldrähte. Für den oberen Handlauf verwende ich 0,4 mm Messingdraht. Die Brückenfüße und Verstrebungen sind 1 mm stark. Auf diesen Brücken mussten jetzt noch die Decks- und Arbeitsbeleuchtung sowie die Spannschraubenkästen gebaut werden. Die Niedergänge mit den Handläufern und die Lotsenaufnahmevorrichtung auf der mittleren Brücke schlossen diesen Arbeitsgang ab. Die Brücken bekamen den gleichen hellgrauen Anstrich wie die Lukensülls wobei die Lauffläche dunkelgrau lackiert wurde.



Ein Lukendeckel besteht aus 88 Einzelteile. Eine Lukensektion mit Anbauten (6 Lukendeckel) besteht aus mehr als 2 000 Einzelteilen

Um von Bordwand zu Bordwand oben auf dem Deck Container stauen zu können, mussten noch 34 Containerböcke am Schanzkleid gebaut werden. Poller und anderer Kleinkram bildeten den Abschluss der Bastelarbeit auf dem Hauptdeck. Diese beschriebenen Arbeitsgänge von den Arbeitsluken abwärts verschlangen hier ca. 1 600 Hobbystunden und es war immer noch kein Ende absehbar! Vielleicht kommt jetzt der eine oder andere Bastelexperte zu der Überlegung, dass ein Schiff dieser Größe doch nicht das Richtige für ihn ist. Er sollte jedoch nicht vergessen, dass ich in erster Linie für mich und nicht nur für Wettbewerbe baue. Gerade für die Klasse - F 2c - (1 700 -    2 500 mm) bot sich dieses Modell an.

Der Brückenaufbau:

Dieser Arbeitsgang folgte jetzt als nächstes. Die Abmessungen betragen in der Grundfläche immerhin 305 x 255 mm. Das Material, Messing 0,4 mm für Schotte und 0,5 mm Stärke für die Decks musste jetzt entsprechend zugeschnitten, gebohrt, gefeilt und mit den Rahmen für Fenster und Türen versehen werden. Dieser Aufbau hat 213 Fenster- und 32 Türöffnungen. Etliche Bohrungen für Handläuferhalterungen durften genauso wenig vergessen werden wie Öffnungen für Lüfterklappen, Halte- und Steigeisen.  Nach  diesen  vorbereitenden  Arbeiten  mussten  die  einzelnen  Bauteile nur noch zusammengefügt und  gelötet werden. Es hört sich zwar einfach an, ich gebe jedoch zu, dass immer wieder die Winkellehre, Lineal und eine kleine Wasserwaage zur Korrektur herhalten mussten. Als jetzt die sog. „Grobschmiedarbeit“ beendet war, konnten auch die verschiedenen anderen Anbauteile angesetzt werden, wie: Unterzüge unter sämtliche einsehbare Decks, wird liebend gern vergessen, im Glauben, dass die Bauprüfer so etwas ja doch nicht beachten. Die Anzahl von 152 Schanzkleidstützen sowie 107 Relingstützen nahmen auch hier wieder eine nicht geringe Anzahl von Stunden in Anspruch. Handläufer, Lüfterklappen mit Verriegelungen, Windfänge in den Brückennocken, Steckdosen, Signalgeber, Decksbeleuchtung und Lampenkästen mit Inhalt vervollständigten diese Arbeit. Sind es doch gerade diese erwähnten Details, die diesen Vorsprung an den Spitzenmodellen auszeichnen. Die Treppenhäuser - Backbord und Steuerbord - im achteren Teil des Aufbaus verschlangen hier noch einmal eine immense Zeit. Mussten doch hier wieder 8 Niedergänge mit den Handläufern, Relingstützen, Durchzügen, Beleuchtung, Türen und Wasserfallrohren hergestellt und  am Ende noch lackiert werden. Die Lackierung brachte gerade in den kleinen Ecken erhebliche Probleme. Ecken, die ich nicht mit der kleinen Spritzpistole erreichen konnte, lackierte vor dem Spritzgang mit einem sehr weichen Pinsel vor. Der dunkelgrüne Deckanstrich erfolgte auch hier mit den verschiedenen Pinselstärken.

Am achteren Aufbau wurden jetzt noch ein Betriebsgang mit Laschaugen der Container-Zurrungen und den Containerspannschrauben hergestellt werden.



Am vorderen Teil des Aufbaus wurden die beiden Ladebäume mit dem Ladebaumlager, Ladeblöcken, Hangerlagern, Klampen, Befestigungsaugen genau so wenig vergessen wie die Lüfter, der Sicherheitsgang mit Handläufer und die Leiter.

Den Schornstein stellte ich aus 0,1 mm Lainingmessing her. Laining aus dem Grunde, weil der Schornstein nicht ganz leichte Abwicklung besitzt. Über den vorher gefertigten Rahmen musste das recht dünne Blech gebogen und unter relativ wenig Wärmebildung verlötet werden. Im hinteren Teil des Schornsteins bereiteten die sechs Lamellenlüfteröffnungen noch einiges Kopfzerbrechen, aber was ist Modellbau ohne Herausforderungen.

Abstützungen, Antennenhalter, Funkpeilrahmen und anderer Kleinkram bildeten den Abschluss am festen Aufbau. Jetzt konnten sämtliche losen Anbauteile hergestellt werden. Lose Teile sind für mich solche, die nach der Lackierung angebracht bzw. aufgesteckt werden können. Diese Bauweise hat sich für mich im Laufe der Jahre bewährt, denn gerade die Kleinteile sind in der Lackierung besonders arbeitsaufwendig und oft andersfarbig. 32 Türen mit den Vorreibern, Türklinken und Scharniere waren auch hier wieder erforderlich. Das Sonnendeck mit seinen gesamten Unterzügen, die riesigen Rundlüfter, 12 Niedergänge und 5 Leitern waren jedoch relativ einfach gegen den folgenden Bauaufwand.

Der Signalmast, wegen der vielen bunten Lampen im Seemannsjargon auch Tannenbaum genannt, war wieder eine echte Herausforderung. 237 Einzelteile mussten vor dem Zusammenbau angefertigt und dann endlich zusammengefügt werden. Ohne die entsprechenden Originalfotos hätte es mit Sicherheit erhebliche Schwierigkeiten gegeben. Gerade diese Aufnahmen lösten doch manche Ungereimtheit in den Bauplänen.

Die Rettungsbooteinrichtungen machten jetzt den Abschluss der Arbeit am Aufbau. Überhaupt sollten die Modellbauer häufiger daran denken, dass zum Bootsdavit und Rettungsboot Rettungsringe mit Halter, Rettungsinseln mit Lager, Mann-über-Bord-Markierungs-Rettungsringe genauso wie Schwimmwesten-Kisten und Fallreeps unter den  Booten und  Manntaue, Bootshaken, Riemen und Ausrüstung in den jetzt offenen  Booten gehören.

Endlich konnte mit der Lackierung des Aufbaus begonnen werden. Zuerst wurde der gesamte Aufbau mit seinen Kleinteilen mehrere Male mit Nitroverdünnung entfettet und gereinigt und dann mit einem Reaktionsprimer recht dünn gespritzt. Nachdem jetzt noch kleinere Spachtelarbeiten vorgenommen werden mussten, konnte endlich der gesamte Aufbau weiß lackiert werden. Die Decks strich ich mit einem weichen Pinsel dunkelgrün an. Der Schornstein folgte dann in den Farben und zwar von oben nach unten schwarz, weiß, rot und dem Original HAPAG-gelb. Das gleiche gelb musste auch für das Ladegeschirr Vorkannte -Brücke sowie den beiden Signalmasten benutzt werden. Wie schon gesagt, die bunten Farben holte ich mir grundsätzlich direkt von Bord.

Die beiden Rettungsboote erhielten einen roten Tagesleuchtfarbenanstrich und die Davitwinden sowie die Kontroller wieder einen grauen. Für die Ladebaumbeschriftung - Nummerierung und Belastbarkeit des Geschirrs - verwendete ich Reibebuchstaben in 1 mm Höhe.

Die sog. losen  Bauteile wurden nun auf die dafür vorgesehenen Plätze gebracht und entweder verschraubt oder geklebt.

Jetzt nach etwas mehr als 1½ Jahren und ca. 1 400 Hobbystunden, konnte auch dieser Bauabschnitt als beendet gelten.

Die Decks- und Windenausrüstung:

Dank der mir von der Reederei überlassenen vorzüglichen Bauunterlagen konnten nun die noch fehlenden hunderte Bauteile für die Ausrüstung hergestellt und zusammengefügt werden.

ein Teil der Backausrüstung


die Brücke ist ausgerüstet


Die beiden kombinierten Anker- und Mooringwinden mit Zubehör wie: Kettenstopper mit Umlenkrolle, Anker mit Ankerketten, wobei natürlich der Mittelsteg in den Kettengliedern nicht fehlen durfte. Diese beschriebene Ankereinrichtung besteht aus mehr als 350 Einzelteilen! Dass ein Reserveanker auf der Steuerbord-Seite der Back liegend genauso hergestellt werden musste wie die beiden übrigen, war klar. Um mir diese dreifache Arbeit zu ersparen, stellte ich mir ein Original her, nahm von diesem einen Abdruck und nutzte diese Form für alle übrigen Anker, die somit alle das gleiche Aussehen haben.

Für den Nichtfachmann zur Erklärung; Mooringwinden sind Konstantzugwinden, auf denen die Festmacherdrähte oder Leinen aufgerollt sind. Speziell in Tidehäfen brauchen die Schiffsbefestigungen nicht überprüft werden, können sie doch mit dem jeweils benötigten Konstantzug eingestellt werden, so dass das Schiff an der Pier gehalten wird.

Selbstverständlich reichen die beiden Winden nicht zum Festmachen des riesigen Schiffes aus, also mussten auf der Back zwei, vor dem Brückenaufbau eine und auf dem Achterschiff noch drei Mooringwinden, allerdings in Normalausführung aufgestellt werden. Die beigefügten Fotos sagen mehr über den Arbeitsaufwand der Winden aus.

Die beiden Leichtgutwinden für das 3-5 to - Geschirr am vorderen Brückenaufbau, die Hangar-winden, die Umlenkrollen für die Festmacherleinen und die nötigen 8 Kontroller vervollständigten die Windenausrüstung.

Verschiedene Kleinteile wie: Kabelgatteinstiege, die Proviantluke mit Hydraulikvorrichtungen durften ebenso wenig fehlen wie die Lukenverschlüsse und Scharniere. Eine Containerladevorrichtung ( zum Bewegen der Container ) und eine Reservestaatstreppe bildeten den Abschluss dieser Decksausrüstung. Ein kleiner Hinweis von mir, gerade diese von mir immer wieder aufgezählten Kleinigkeiten machen eigentlich erst für mich ein vollständiges Modell aus !

Die gesamten Kleinteile wurden in grau ( RAL 7001 ) gespritzt. Für diese Ausrüstung mussten noch einmal ca. 1 000 Hobbystunden aufgewendet werden.





Indienststellung, Probefahrt, die kleine Flotte die Formen des Modells

Die Probefahrten zeigten dann auch eine erstaunliche Wendigkeit des sehr großen Fahrmodells. Auch hier zeigte sich wieder, dass man weder an der Schiffsschraube noch am Ruderblatt etwas verändern muss. Alle Wettbewerbe, die ich mit diesem Modell fuhr, zeigten, wenn man sich die Größe des Modells immer wieder vor Augen führt, dass es eine ausreichende Wendigkeit besitzt. Blicke ich jetzt auf den Erbauungszeitraum von 1977-1984 und über 5 000 Hobbystunden zurück, muss ich für mich feststellen, es hat sich gelohnt, egal wie andere Modellbauer darüber denken !!

"TS - 52 SOUND" 678 mm / "GARANT" 352 mm / "SYDNEY EXPRESS" 2260 mm